reflections

Wenns mal wieder besser wird

Hallo,

 

tja was soll ich sagen, momentan geht's bergauf bei mir

endlich!!!

Ich bin seit dieser Woche wieder auf der Arbeit, merke aber, dass es mir hier nicht gut geht.

Dieses kranke Denken kommt wieder hoch und ich fange wieder an mir Gedanken über mein Essen zu machen, habe wieder eingekauft und zwar viel und die Gedanken werden wieder trüb. Ein eindeutiges Zeichen, dass ich endlich einen neuen Job brauche.

 

Das Gute ist aber, ich habe einen tollen, unheimlich liebevollen, witzigen, super süßen Typen kennengelernt

Wir Daten uns jetzt seit 2Wochen und er behandelt mich wie eine Prinzessin. Das kenne ich gar nicht mehr.

Nach der letzten Pleite hatte ich mir eigentlich vorgenommen, mich 2014 komplett auf mich zu konzentrieren! Keine Männer!!!

 

Plötzlich stand er da und meine Entschlossenheit ist dahin geschmolzen

 

 

So vll mal einige Infos zu mir:

 

Ich bin 25 Jahre alt,  

meine Haare sind dunkelbraun, meine Augen grün mit blauem Kranz. Meine Haut leicht gebräunt und mit Sommersprossen gepunktet. An sich scheine ich wohl ganz hübsch zu sein, kriege oft Komplimente.

Wenn ich mich an guten Tagen im Spiegel sehe, denke ich, na sieh einer an .

An schlechten Tagen, ist es nicht so… Da sehe ich die Kilos, das Fett, die unreine Haut. Ich stelle mich dann meist auf die Waage, obwohl ich das nicht mehr wollte. Ich sehe die Zahl!!! 57-58kg. Mein Kopf sagt mir, du fettes Schwein, wie konnte das nur geschehen… du warst schon so gut unten! Gleichzeitig knurrt mein Magen und sagt, gib mir noch ein bisschen was zu tun, mein Körper schreit mich an, TU ES JA NICHT NOCHMAL!!!

Ein Zwiespalt, ein Kampf, etwas was man nach außen nicht sieht, ein ewiges Hin-und-Her, dass sich in mir abspielt. Mein Beschluss endlich stärker zu sein als die elendige Stimme in meinem Kopf, manchmal sehr schwach aber ich halte ihn aufrecht!

Wie es los ging, ich weiß es nicht mehr genau. Das ist schon sehr lange her ca. 2Jahre?! Ich hatte es satt ständig die dickliche zu sein… 170cm und 78kg, Doppelkinn, dicke Oberarme, Hosen, die sich an der Oberschenkelinnenseite kaputtwetzen. Tja, ich habe alles gegessen J meist Fastfood. Ich begann mit Sport, gesunder Ernährung. 63kg und stolz drauf J

Irgendwann verließ mich der Ergeiz und ich ging nicht mehr laufen… Die Kilos kamen wieder und ich musste einen anderen Weg finden, da ich faul wurde… Einfachste Lösung, weniger essen und zwar sehr viel weniger!!!

Ich reduzierte und reduzierte… 2 Kürbiskernbrötchen am Tag. Eine ganze Weile ging das gut, bis aus heiterem Himmel die Augen schwächer wurden. Die Haut pfahl wirkte, die Haare stumpf, Nägel brüchig… Doch ich war bei 57kg angekommen und ich denke mir, dass das der Knackpunkt war… Scheiß auf die Nebenwirkungen, die Komplimente, die Klamotten, die Aufmerksamkeit, die ich jetzt kriege und kaufen kann! Das ist es was mir gefehlt hat.

 

Mein Hunger, kontrolliert ohne Fressanfälle, wurde zum ständigen Begleiter. Das schlechte Gewissen, wenn es doch mal etwas mehr als die tägliche Ration wurde, zum Ansporn, es am nächsten Tag wieder auszuhalten.

Im Sommer letzten Jahres hatte ich mich verliebt. Ich war glücklich und konnte es kaum fassen, dass er mich wollte… Das Glück war mir nicht lange treu und so verlor ich ihn, fast so plötzlich wie er in mein Leben trat. Mein Herz war gebrochen, die Fehler suchte ich bei mir und ich vergrub mich in schlechten Gedanken, in meinem Kummer.

Ablenkung fand ich im Hungern. Die Zeit verging und ich kann mich, wenn ich ehrlich bin nicht an einen Tag seit der Trennung erinnern, an dem ich mich wirklich gut fühlte.

Schmerz, Wut, Hass, Verzweiflung, Selbstqual. Mein Kopf, ein einziges Chaos… um nicht an ihn zu denken, las ich Tag ein Tag aus, Tipps und Tricks um abzunehmen, um nach Fressanfällen besser kotzen zu können, ging in Lebensmittelgeschäfte und schwälgte in Erinnerungen, wie gut diese Sachen einst schmeckten. Die Waage, auf der einen Seite Freund und auf der anderen Feind, bekam einen Platz vor meinem Spiegel. Der Arbeit, die ich schon immer nicht mochte, blieb ich fern, Berufsschule besuchte ich nur noch sporadisch… Freunde wollte ich nicht mehr sehen, Familie konnte mir gestohlen bleiben, meine Mitbewohnerin wurde mir ein Dorn im Auge. Ich wollte für mich sein!

Ich fand heraus, das ein Mädchen aus meiner Berufsschulklasse, das Essen genauso sah. Als Feind! Wir schufen uns unsere eigene kranke Welt. Bei ihr fand ich halt, mit ihr hatte ich endlich jemanden, dem ich vertrauen konnte. Wir hungerten gemeinsam, halfen uns in schwierigen Situationen und bemitleideten uns gemeinsam. Aber meine Trauer teilte sie nicht mit mir. Das war meins und der Gedanke, dass der Ausweg eigentlich einfach wäre, kam immer öfter…

Meine Lebensfreude weg, mein Lebenswille kurz vorm Brechen. Mein Kopf, Herr über Körper.

Haare bürsten wurde zur Tortur. Ständig waren die Büschel größer, Zahnhälse sichtbar, Periode blieb aus, selbst zum Joggen war ich zu schwach. Die Nächte wurden kürzer, da ich nicht ruhen konnte. Alles drehte sich ums Essen. Ein Tag waren es höchstens 100kcal, den nächsten 500kcal, ein Tag FASTEN, den nächsten 250kcal… Ansonsten warmen Tee viel Kaffee und Wasser ohne Ende.

Der Weg zum Normal-Sein, in weiter Ferne. Mein Gewicht 49kg. Kein Hintern, keine Brust, Rippen die herausragten, Hüftknochen, an denen man etwas aufhängen konnte. Das Gesicht eingefallen, Wangenknochen so stark sichtbar… UNGESUND sagten sie zu mir, hässlich, unschön! Und jedes Mal dachte ich, du bist doch nur neidisch.

Das ständige Kopfgeficke…

Wendepunkt waren meine schriftlichen Abschlussprüfungen, die Zeit zur Vorbereitung. Lernen = Hunger! Und um zu bestehen, gab ich mich diesem Hunger hin. Alles was süß war wurde gegessen. Warme Mahlzeiten, Schokolade, Gemüse, Brot mit Aufstrich, Döner, einfach alles wonach mir war. Es wurde direkt alles eingelagert. Fremdkörper entstanden an meinen dürren Beinchen. Jeden Schritt wabbelte es. Mein Bauch aufgebläht. Doch zum ersten Mal wieder voller Energie und meine Laune änderte sich von mies zu gelassen und entspannt. Spiegel und Waage mied ich so gut ich konnte.

Nun Hunger ich nicht mehr. Ich kann nicht sagen, dass ich geheilt bin. Aber meine dürren Beinchen, sind mittlerweile relativ gut trainiert. Ich mache wieder Sport, ich habe wieder Muskeln, kann wieder Lachen, mich freuen, teilweise auch genießen. Die bösen Gedanken kommen je nach dem mal öfters mal weniger oft hoch. Aber ich esse!

Gesund, mit dem ein oder anderen Schlemmertag. Meine Periode ist wieder regelmäßig, der Popo wieder rund, Brüste wieder praller und Haare voluminöser.

Langsam schleicht sich auch wieder Lebensfreude ein J Das macht mich glücklich… Ich bin über die Sommerliebe vom letzten Jahr hinweg. Ich gebe eine Chance J nicht nur dem neuen, sondern auch mir und meinem Leben. Ich kämpfe!

19.6.14 11:34

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